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Event: Kohlenstoffmanagement 2.0 – Strategien für eine klimaneutrale Industrie

CMS Event Foto: Edgar Nemschok/KAS

CCUS-Technologien (Carbon Capture, Utilisation and Storage) rücken in den Fokus: Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen und gleichzeitig industrielle Wertschöpfung sichern will, braucht es jetzt politische Führung, Planungssicherheit und den Ausbau der nötigen Infrastruktur. Das wurde bei der Veranstaltung „Kohlenstoffmanagement 2.0 – integraler Bestandteil einer klimaneutralen Wirtschaft“ am 7. April in Berlin deutlich.

EPICO KlimaInnovation und die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) brachten führende Stimmen aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um über die Zukunft einer Carbon Management Strategie (CMS 2.0) zu diskutieren.

Die Debatte: CCS als Ergänzung, nicht als Ausrede

Dr. Bernd Weber (Gründer und Geschäftsführer, EPICO) betonte: Planungssicherheit ist entscheidend. Viele Unternehmen sehen sich ohne verlässliche Rahmenbedingungen ausgebremst. Eine gemeinsam mit der Decision Advisory Group durchgeführte Unternehmensumfrage zeigt: Selbst Sektoren mit Wasserstoffoptionen prüfen CCS als strategische Rückfallebene. Klimaschutzverträge müssten verstetigt, Finanzierungslücken geschlossen und Infrastrukturen wie CO₂-Pipelines vorausschauend geplant werden. CCS sei kein Widerspruch zur Emissionsvermeidung – sondern ihre notwendige Ergänzung.

Peter Fischer-Bollin (Leiter der Hauptabteilung Analyse und Beratung KAS) betonte in seiner Eröffnung: Klimaneutralität bis 2045 sei ohne ergänzende Technologien wie CCS kaum erreichbar. Gleichzeitig verwies er auf zentrale Herausforderungen – von gesellschaftlicher Akzeptanz bis hin zu fehlender Infrastruktur und tragfähigen Geschäftsmodellen.

Prof. Dr. Andreas Löschel (Lehrstuhl für Umwelt-/Ressourcenökonomik und Nachhaltigkeit, Ruhr-Universität Bochum) positionierte Carbon Management als zentralen Baustein einer konsistenten Klimapolitik. Ohne CCS seien viele Industrieprozesse ab 2039 (nach Auslaufen kostenloser ETS-Zertifikate) nicht mehr wettbewerbsfähig. Der regulatorische Rahmen für Speicherung und Transport müsse dringend weiterentwickelt werden – auch Onshore-Speicherung dürfe kein Tabu sein.

Die Industrie: CCS ist kein Selbstläufer

Alexandra Decker (Mitglied des Vorstands & Corporate Affairs, CEMEX Deutschland AG) zeigte, wie weit Zementwerke bereits emittieren – und dass ohne CCS kaum weitere Einsparungen möglich sind. Gleichzeitig warnte sie vor fehlender Nachfrage nach CO₂-armen Produkten und sprach sich für grüne Leitmärkte und faire Rahmenbedingungen aus.

Gerrit Riemer (Head of Governmental Affairs Germany, ThyssenKrupp Steel Europe) machte deutlich: Auch wenn der Fokus aktuell auf Wasserstoff liegt, bleiben unvermeidbare Emissionen. Für die nächste Transformationsphase müsse CCS mitgedacht und integrierte Netzplanung jetzt begonnen werden.

Politik zwischen Offenheit und Verantwortung

Andreas Jung (MdB, CDU/CSU-Fraktion) sprach sich für eine pragmatische, technologieoffene Infrastrukturpolitik aus – orientiert am Wasserstoff-Kernnetzmodell. CCS sei kein Ersatz, sondern ein erforderlicher Baustein auf dem Weg zur CO₂-Reduktion.

Helmut Kleebank (MdB, SPD-Fraktion) mahnte, CCS dürfe nicht als Ausrede für mangelnde Innovation oder Rückschritte beim natürlichen Klimaschutz dienen. Es brauche eine sachliche, faktenbasierte Debatte und staatliche Unterstützung, um strukturschwächere Regionen zu erschließen.

Zivilgesellschaft mahnt zur Priorisierung

Jörg-Andreas Krüger (Präsident, Naturschutzbund Deutschland e.V.) forderte, die Emissionsvermeidung müsse immer Vorrang haben. Er warnte vor möglichen Lock-in-Effekten und pochte auf gesellschaftliche Akzeptanz durch transparente Dialogformate vor Ort.

Fazit: CMS 2.0 – jetzt gestalten

Einigkeit herrschte darin: CCS ist notwendig – aber kein Selbstläufer. Es braucht realistische Ziele, technologischen Pragmatismus und politisch koordinierte Rahmenbedingungen. Eine CMS 2.0 kann als zentraler Hebel dienen, um industrielle Emissionen zu senken und Innovationen in Deutschland zu halten. Jetzt ist der Moment, um Weichen zu stellen.

Wie geht es weiter bei EPICO?

Demnächst bringen wir in Brüssel politische Entscheidungsträger und Experten aus ganz Europa zusammen, um nationale und grenzüberschreitende Strategien für das Carbon Management zu diskutieren.

Ziel ist es, Best Practices auszutauschen – in einem Politikfeld, das sowohl auf nationaler Ebene als auch in der EU dynamisch an Bedeutung gewinnt.

Mehr dazu in Kürze – stay tuned!