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Meet Our Advisory Board: Wibke Brems

EPICO KlimaInnovation wird von einem unabhängigen Beirat aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft begleitet. Dieser berät die EPICO-Experten bei der strategischen Ausrichtung und den Leitlinien des Think Tanks.

In unserer Interviewreihe stellen wir die Arbeit, Expertise und Motivation jedes Beiratsmitglieds vor und beleuchten zentrale Fragen zur Zukunft der europäischen Energiewende.

Wibke Brems

Wir stellen Wibke Brems vor. Sie ist Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Landtag Nordrhein-Westfalen und seit 2010 Abgeordnete. Als studierte Elektrotechnik-Ingenieurin mit dem Schwerpunkt Erneuerbare Energien bringt sie fundierte Expertise in die energie- und klimapolitischen Debatten ein. Zuvor war sie Sprecherin für Energiepolitik, Klimaschutz, Bergbausicherheit und Anti-Atom-Politik. Seit vielen Jahren engagiert sie sich zudem auf kommunaler Ebene und in den Gremien von Bündnis 90/Die Grünen.


Frau Brems, was hat Sie motiviert, dem EPICO-Beirat beizutreten?

Gerade in einer Zeit, in der klimapolitische Herausforderungen zunehmend von gesellschaftlichen Spannungen überlagert werden, ist es mir wichtig, konstruktive Räume für lösungsorientierten Dialog zu stärken. In diesem Sinne habe ich mit dem Dialograum selbst einen regelmäßigen Austausch initiiert, in dem Expert*innen mit unterschiedlichen Hintergründen und aus verschiedenen Bereichen über den Tellerrand hinaus lösungsorientiert Perspektiven und Erfahrungen austauschen. Und auch EPICO bietet einen solchen Raum: eine Plattform, auf der faktenbasiert, technologieoffen und ideenreich an der Ausgestaltung der Transformation gearbeitet wird – über sektorale und politische Grenzen hinweg.

Ich bin durch mein Elektrotechnik-Studium und meine Arbeit als Ingenieurin im Bereich der Erneuerbaren Energien zur Erkenntnis gelangt, dass die technischen Lösungen für die Energiewende da sind, aber die politischen Rahmenbedingungen entscheidend sind. Der Weg zur Klimaneutralität ist eben keine rein technische Aufgabe – er erfordert einen tiefgreifenden Strukturwandel, der nur gelingen kann, wenn wir ökologische, ökonomische und soziale Perspektiven miteinander verschränken. Ich möchte technische Expertise, politische Erfahrung und klimapolitische Ambition zusammenzubringen. Ich bin überzeugt, dass wir die notwendigen Veränderungen nicht nur gestalten können, sondern auch gestalten müssen – mutig, verantwortungsvoll und gemeinsam.

Welche Weichen muss Europa stellen, um Klimaneutralität, Innovation und sozialen Zusammenhalt zusammenzubringen?

Europa steht vor der historischen Aufgabe, seinen Wohlstand neu zu definieren – nicht auf Kosten des Klimas, sondern im Einklang mit dem Planeten. Dafür müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, die Klimaneutralität als Innovationsmotor und als soziale Chance begreifen. Das bedeutet: gezielte Investitionen in grüne Technologien, den beschleunigten Ausbau der Infrastruktur – von Stromnetzen bis zu Wasserstoffleitungen – und eine Reform der Energiebinnenmärkte, die erneuerbare Energien priorisiert und faire Preise ermöglicht.

Aber technologische Innovation allein reicht nicht. Die ökologische Transformation muss auch sozial getragen werden – mit einem verlässlichen sozialen Netz, gezielten Entlastungen und einer aktiven Strukturpolitik, die Regionen im Wandel unterstützt. Klimaschutz darf kein Projekt der Eliten sein, sondern muss spürbaren Nutzen für alle bringen: vom ländlichen Raum bis zur Großstadt.

Zugleich braucht Europa strategische Souveränität: bei Rohstoffen, Lieferketten und Schlüsseltechnologien. Nur so können wir resilient und handlungsfähig bleiben. Ebenso wichtig ist es jedoch, dass Politik für stabile und verlässliche Rahmenbedingungen sorgt. Erst kürzlich hat die EU beschlossen, die CO₂-Grenzwerte für Pkw zu lockern. Das ist ein fatales Signal an Unternehmen, die vorausgegangen sind, investiert haben und nun für ihre Ambitionen bestraft werden. Eine verlässliche Politik und Planungssicherheit sind entscheidend für Investitionen in die klimaneutrale Transformation.

Für mich ist klar: Wenn Europa diese Weichen stellt, kann es nicht nur Vorreiter im Klimaschutz sein, sondern auch ein Modell für soziale und technologische Erneuerung in einer global herausgeforderten Welt.

Wie kann Deutschland seine Industrie dekarbonisieren und zugleich bei grünen Technologien führend werden?

Die Dekarbonisierung der Industrie ist eine enorme Herausforderung – aber auch eine Chance, Deutschland als Standort für klimafreundliche Produktion und Innovation zu stärken. Dafür braucht es günstige, verlässliche und saubere Energie, gezielte Investitionen in klimaneutrale Verfahren und einen klaren industriepolitischen Rahmen, der Wandel ermöglicht und unterstützt.

Dazu gehört auch, dass wir den Ausbau der Erneuerbaren konsequent vorantreiben – nicht nur auf dem Papier, sondern in der Fläche. In Nordrhein-Westfalen etwa zeigt sich, dass das möglich ist: NRW geht den Weg vom einstigen Kohleland zum Vorreiter beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel von 1.000 neuen Windenergieanlagen bis 2027 schien bei der Unterzeichnung im Jahr 2022 vielen als zu ambitioniert. Aber wir sind auf dem besten Weg, es sogar zu übertreffen. Schon bis Anfang Mai 2025 wurden seit Beginn der schwarz-grünen Koalition mehr als 1300 neue Windkraftanlagen genehmigt. Das zeigt: Mit politischem Willen, vereinfachten Verfahren und klarer Prioritätensetzung lässt sich Tempo machen.

Grüne Technologien brauchen aber mehr als günstigen Strom. Sie brauchen gut qualifizierte Fachkräfte, eine starke europäische Industriepolitik, fairen Wettbewerb und strategische Partnerschaften für Rohstoffe und Lieferketten. Wenn wir diese Voraussetzungen schaffen, kann Deutschland nicht nur seine Industrie dekarbonisieren, sondern auch zum Treiber einer klimafreundlichen, innovationsbasierten Wirtschaft der Zukunft werden.


Bei EPICO nehmen wir die großen Herausforderungen der Energiewende aktiv an. Wir sind überzeugt, dass eine Klima- und Energiepolitik, die auf Wettbewerb und Innovation setzt, der Schlüssel ist, um CO2 und andere Treibhausgase verlässlich und effizient zu reduzieren. So können Umwelt- und Klimaschutz, nachhaltiges Wirtschaftswachstum und soziale Gerechtigkeit miteinander vereint werden. Entdecken Sie unsere neuesten Publikationen und bevorstehenden Veranstaltungen und bleiben Sie gespannt auf weitere Interviews mit unserem Beirat.